Langewiesen, Advent 1706. Johann Sebastian Bach nimmt die neue Langewiesener Orgel ab. Erbaut hat sie der Coburger Hoforgelmacher Johann Albrecht, gemeinsam mit einem gewissen Johann Sebastian Ehrhardt aus Gehren. Befragt man die gängige Orgelbauerliteratur, schweigt sie sich über diesen Mann weitgehend aus. Doch nach einigen Jahren des Nachforschens finden sich an vielen Stellen Spuren seines Lebens und Wirkens.
Johann Sebastian wurde am 5. Dezember 1676 in Gehren geboren, als drittes Kind und einziger Sohn des Caspar Ehrhardt und seiner Frau Barbara Christina, geb. Trebs. Der Vater starb kurz darauf, die Mutter heiratete nicht wieder. Es ist dennoch davon auszugehen, dass Johann Sebastian seine Schulzeit in Gehren verbracht hat, wo er durch den Knabenschulmeister und Kantor Johann Christoph Schilling und wohl auch durch den Organisten Johann Michael Bach unterrichtet wurde. Bald dürfte er mit dem Orgelbauerhandwerk vertraut gemacht worden sein, nach der Schulzeit ging er dann mit Orgelbauer Albrecht als dessen Lehrling nach Römhild.
Am 20. November 1707 heiratet Ehrhardt in Gehren die Tochter des mittlerweile verstorbenen Kantors: Maria Christina Schilling.
Die beiden bekommen drei Töchter, von denen nur die erste, Christiana Sophia (geb. 4.9.1708) erwachsen wird. Kurz nach der Geburt des dritten Mädchens stirbt Johann Sebastians Frau Anfang Juli 1720 mit 38 Jahren.
Anderthalb Jahre zuvor war im Januar 1719 der Lehrmeister Johann Albrecht in Coburg verstorben. Dieser muss Ehrhardt so sehr geschätzt haben, dass er noch auf dem Sterbebett seine Frau bittet, seinen ehemaligen Schüler aus Gehren beauftragen zu lassen, das unvollendete Orgelwerk in Hinternah fertigzustellen. Unweit von dort liegt das Dorf Biberschlag, aus dem Ehrhardts zweite Frau stammt. Am 6. Mai 1721 ehelicht er die Tochter des Pfarrers Michael Buchenröder und heiratet damit in eine Pfarrerdynastie ein. Die junge Familie zieht zurück nach Gehren, wo Ehrhardt eine eigene Werkstatt hatte. Im Jahr 1723 erhält er denn auch eine Art Orgelbauerprivileg – einen Vertrag über seine Zuständigkeit für alle Orgeln des Amtes Gehren.
Auch mit Margaretha Sophia Buchenröder wird Johann Sebastian drei Kinder haben: zwei Mädchen, die beide kurz nach ihrer Geburt sterben, und einen Sohn mit Namen Johann Sebastian. Dieser wird später auch Orgelbauer werden. Geboren wird er am 9. Dezember 1726 in Heldburg, wo er auch zur Schule geht.
In den 1730er Jahren geht die Familie nach Biberschlag, obwohl der Schwiegervater lange verstorben ist und anscheinend kein Familienmitglied mehr dort wohnhaft ist. Von Biberschlag aus betätigt sich Ehrhardt als Orgelbauer und Mechanikus in der Gegend, so in Brünn, Schwarzbach, Schnett, Heubach etc.
Abb. 4 Traueintrag der zweiten Hochzeit von Johann Sebastian Ehrhardt[4].
Leider blieben nach jetzigem Wissensstand keine Orgeln von Johann Sebastian Ehrhardt erhalten. Beispielsweise in der Dotzauer-Orgel in Westhausen (1693) sind aber noch wesentliche Bestandteile der alten Albrecht-Orgel vorhanden, an deren Fertigung Ehrhardt beteiligt gewesen ist.
Am 26. Oktober 1753 wird Johann Sebastian Ehrhardt in Biberschlag bestattet.
Weitere Details zu Leben und Wirken im Sonderheft der Gehrener Heimatblätter zu Johann Sebastian Ehrhardt.